Geheimnisvolle Sagenwelt
"Sagen aus Südtirol" sind das Motto für das Jahr 2006 der Familienhotels Südtirol.
Lesen Sie hier einige Kostproben aus dem reichhaltigen Südtiroler Sagenschatz.
König Laurin und sein Rosengarten
Hoch in den Bergen der Dolomiten gab es einen Garten mit lauter blühenden roten Rosen, so dass die Felstürme und Steinwände rötlich schimmerten. Der Rosengarten gehörte dem Zwergenkönig Laurin, der sich in die Königstochter Similde verliebte und diese heimlich entführte. Der Gotenkönig Dietrich von Bern, der Similde befreien wollte, fand durch das Leuchten des Rosengartens den Palast Laurins. Der Zwergenkönig ließ Dietrich und seine Gefährten verhaften, doch diese konnten sich und Similde befreien und nahmen Laurin als Gefangenen mit. Laurin verfluchte den Rosengarten, der den Rittern den Weg gezeigt hatte. Die Rosen sollten niemanden mehr erfreuen und bei Tag und Nacht nicht mehr leuchten. Doch der Zwerg hatte die Dämmerung vergessen, und so kommt es, dass der Rosengarten in der Dämmerung auch heute noch rotgolden leuchtet.
Der Riese Ortler
Vor vielen Jahren lebte in den Tälern des Obervinschgaus ein Riesengeschlecht. Der größte der Riesen mit dem Namen Ortler war sehr stolz und eitel, weil ihm aus seiner Höhe alles so klein und unscheinbar erschien. Die anderen Riesen wurden seiner bald überdrüssig und hielten sich von ihm fern. In seiner Wut darüber brach Ortler Steine von den Felswänden und schleuderte sie weit um sich, dass die dort lebenden Zwerge ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Um sie zu retten, kletterte der schlaue Zwerg Nudelhopf heimlich auf das Haupt des Riesen, sprang lustig auf ihm herum und lachte, da er, der kleine Wicht, jetzt größer als der Riese war. Verärgert wollte Ortler den Zwerg von seinem Kopf schlagen, doch in diesem Augenblick erstarrte er und verwandelte sich in Fels und Eis. Noch heute sitzt der Riese da und überragt alle Berge des Obervinschgaus.
Schloss Haselburg und die Bozner Glocken
Der Schlossherr der Haselburg ließ heimlich sein gesamtes Silber- und Goldvermögen schmelzen und in zwei unscheinbare Kupferkugeln gießen. Denn er nahm an einer Kreuzfahrt teil und wollte vermeiden, dass Räuber ihm während seiner Abwesenheit das Ersparte aus der Schatztruhe stehlen würden. Eines Tages baten zwei Klosterbrüder die Schlossherrin um eine Spende für die neue Glocke der Dominikanerkirche von Bozen. Die Frau spendete die beiden Kupferkugeln, ohne von deren wahren Wert zu wissen, und hoffte damit Gottes Schutz für ihren Mann zu erwirken. Als der Schlossherr heil zurückkam und von der Spende erfuhr, wurde er furchtbar wütend. In diesem Augenblick begann die neue Glocke zu läuten, ihr Klang war hell wie Gold und Silber. Dies erweichte sein Herz und er bat seine Frau um Verzeihung für seinen Wutausbruch, denn schließlich war er es gewesen, der ihr nichts von dem Schatz in den Kugeln gesagt hatte.
Die bleichen Berge
Im Reich der Dolomiten lebte der Sohn des Königs mit seiner Gemahlin, einer Mondprinzessin, die er sehr liebte. Doch die Prinzessin konnte den Anblick der grauen Felsen und dunklen Wälder nicht ertragen und kehrte in ihre strahlend helle Mondheimat zurück. Da der Prinz in dem gleißenden Licht am Mond erblinden würde, irrte er aus Sehnsucht nach seiner Frau traurig im Wald umher und traf dort auf einen Zwergenkönig. Dieser versprach dem jungen Prinz im Austausch gegen die Erlaubnis, sich mit seinem Volk in den Wäldern häuslich niederzulassen, die Berge des Dolomitenreichs in hellem Glanz erscheinen zu lassen. Die Zwerge fingen das Mondlicht Strahl für Strahl ein und überzogen damit die Berge, so dass die Mondprinzessin zurückkehren konnte. Die schimmernden Wände mit den weißen Türmen und silbernen Graten nannte man fortan auch die bleichen Berge.








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Donnerstag, 09.10.08
Freitag, 10.10.08
